Zweifeldriger Durchlaufträger
Ein Auflager mehr, und der Träger ist mit der Statik allein nicht mehr lösbar — er wird statisch unbestimmt. Der klassische Weg hinein ist der Dreimomentensatz von Clapeyron, und dieser symmetrische Zweifeldfall liefert die Ergebnisse, die jede Ingenieurin auswendig kennt: als Stützmoment über dem Mittelauflager und Endauflagerkräfte von nur . Unterwegs sehen wir genau, warum die Durchlaufwirkung den Träger so viel wirtschaftlicher macht als zwei getrennte Felder.
- System
- 2 Felder × 6 m
- Auflager
- Fest · Rollen · Rollen
- Feld
- 6 m
- 200 GPa
- 100 × 10⁶ mm⁴
- 12 kN/mals −12 eingegeben
Schritt 1 — Ein Auflager zu viel für die Statik
Drei Auflagerkräfte, zwei Gleichungen — die fehlende handelt von Geometrie, nicht von Kräften.
Ein Auflager mehr an einem Einfeldträger, und er ist mit der Statik allein nicht mehr lösbar. Zählen Sie die Unbekannten: Drei Auflager bedeuten drei senkrechte Auflagerkräfte, ein senkrecht belasteter Träger liefert aber nur zwei brauchbare Gleichgewichtsbedingungen — = 0 und = 0. Drei Unbekannte, zwei Gleichungen: Der Träger ist statisch unbestimmt, mit einer überzähligen Unbekannten, und kein noch so geschickt gewählter Momentenpunkt knackt ihn.
Die fehlende Gleichung handelt überhaupt nicht von Kräften — sie handelt von Geometrie. Wie die Auflagerkräfte auch ausfallen, die verformte Biegelinie muss eine einzige glatte, durchgehende Kurve über alle drei Auflager bleiben. Diese geometrische Tatsache in Algebra zu übersetzen ist genau die Aufgabe des nächsten Schritts.
Schritt 2 — Der Dreimomentensatz von Clapeyron
Eine Gleichung für das unbekannte Stützmoment.
Der klassische Weg hinein ist der Dreimomentensatz von Clapeyron. Nehmen Sie drei aufeinanderfolgende Auflager eines Durchlaufträgers, und der Satz schreibt eine Gleichung, die die Biegemomente an diesen drei Stellen verknüpft. Die linke Seite ist reine Geometrie — die Stützweiten. Die rechte misst die Belastung: Jedes Feld liefert ein Lastglied (bei voller Gleichlast ), gebildet aus der Momentenlinie, die dieses Feld als Einfeldträger für sich hätte. Hinter der Algebra steckt nichts anderes als die ausformulierte Verträglichkeitsbedingung aus Schritt 1: Die Neigung der Biegelinie unmittelbar links von B muss der unmittelbar rechts von B entsprechen.
Hier fällt die Buchführung in sich zusammen. Die Endauflager sind einfache Auflager ohne Fortsetzung, also — nur das innere Moment ist unbekannt, und die beiden gleichen Felder verkürzen den Satz auf eine einzige Zeile:
Mit L = 6 m und w = 12 kN/m und Auflösen:
Das Vorzeichen ist die Geschichte: negativ heißt Stützmoment — über dem Mittelauflager kehrt sich die Krümmung um, und die Oberseite des Trägers wird gezogen. Eine Gleichung, eine Unbekannte, und die Unbestimmtheit ist weg.
Schritt 3 — Die Auflagerkräfte
Das Mittelauflager nimmt 62.5 % von allem auf.
Mit bekanntem ist der Träger aufgeschlossen — von hier an ist alles reine Statik. Betrachten Sie Feld AB für sich: ein Einfeldträger unter w, dazu das Endmoment in B. Der Einfeldanteil schickt = 36 kN an jedes Ende; das negative Endmoment verlagert danach 9 kN (= ) vom Außenauflager zum Mittelauflager. Dann nutzen Sie die Symmetrie:
Das Mittelauflager trägt 62.5 % der Gesamtlast — der Grund, warum ein Durchlaufträger genau dort eine kräftige Innenstütze verlangt, wo das Stützmoment ohnehin seinen Größtwert hat.
Schritt 4 — Querkraft und Moment, Feld für Feld
Der Nulldurchgang der Querkraft findet das größte Feldmoment.
Gehen Sie Feld AB von links ab. Die Querkraft beginnt bei der Auflagerkraft von +27 kN und fällt mit konstant 12 kN/m: V(x) = 27 − 12x. Sie geht bei x = 2.25 m durch null und erreicht unmittelbar links von B −45 kN, wo die Auflagerkraft von 90 kN sie wieder nach oben wirft; das zweite Feld spiegelt das erste. Das Feldmoment erreicht seinen Größtwert genau dort, wo die Querkraft verschwindet:
Stellen Sie die beiden Größtwerte nebeneinander: 30.375 kN·m Feldmoment in jedem Feld gegen 54 kN·m Stützmoment über B. Beim Durchlaufträger sitzt das größte Moment meist am Auflager und nicht in Feldmitte — umgekehrt zur Gewohnheit beim Einfeldträger.
Schritt 5 — Die Biegelinie
Über jedem Auflager null, dazwischen durchhängend — die Verträglichkeit sichtbar gemacht.
Die Biegelinie bindet die ganze Lösung zusammen. Jedes Feld hängt rund 4.2 mm durch — das klassische Ergebnis , etwa bei 0.42L von einem Außenauflager —, während die Durchbiegung über jedem Auflager definitionsgemäß null ist. Schauen Sie nahe B genau hin: Die Kurve flacht ab, ihre Krümmung kehrt sich im Bereich des Stützmoments um, und dann läuft sie ohne Knick über das Mittelauflager. Diese glatte, durchgehende Kurve über alle drei Auflager ist die Verträglichkeitsbedingung aus Schritt 1 — keine abstrakte Forderung mehr, sondern eine sichtbare Form.
Der Nachweis
Die Handrechnung gegen den Solver.
| Größe | Von Hand | StructureCalcs | |
|---|---|---|---|
| Stützmoment M_B | −54 kN·m (wL²/8) | −54 kN·m bei 6 m | |
| R_A = R_C | 27 kN (3wL/8) | 27 kN | |
| R_B | 90 kN (10wL/8) | 90 kN | |
| Größtes Feldmoment | 30.375 kN·m bei 2.25 m (9wL²/128) | 30.375 kN·m bei 2.25 m | |
| Größte Querkraft |V| | 45 kN neben B | 45 kN bei 6 m | |
| Größte Durchbiegung | ≈ 4.2 mm bei ≈ 0.42L (wL⁴/185EI) | 4.212 mm bei 2.53 m |
Jeder Wert wurde von Hand mit dem klassischen Verfahren ermittelt und danach gegen den Solver dieser Website geprüft — dieselbe Engine, die die Schaltfläche Ausprobieren öffnet. Diese Übereinstimmung wird bei jedem Build automatisch neu geprüft.
Jetzt sind Sie dran
Öffnen Sie genau dieses Modell im Rechner — ändern Sie dann eine Last, ziehen Sie ein Auflager, und sehen Sie zu, wie sich jedes Diagramm in Echtzeit mitbewegt. Intuition gewinnt man am besten, indem man es kaputt macht und schaut, was passiert.
Zum Mitnehmen
Exportieren Sie dieses gelöste Beispiel als PDF oder laden Sie es als .screport herunter und öffnen Sie es im Berichtsgenerator — das Modell reist in der Datei mit, Sie können es also wiederherstellen, neu rechnen und Ihren eigenen Bericht daraus bauen.