FortgeschrittenTrägerStatisch unbestimmtSetzungVerträglichkeit

Auflagersetzung beim Durchlaufträger

Nirgends eine Last auf dem Träger — und trotzdem trägt er 36 kN·m Moment. Setzt sich ein Auflager eines statisch unbestimmten Trägers, lassen ihn die übrigen Auflager nicht frei folgen, und dieser Widerstreit biegt ihn. Ein statisch bestimmter Träger würde sich einfach schrägstellen und nichts davon spüren. Deshalb wiegen wenige Millimeter Setzung bei durchlaufenden Tragwerken so viel schwerer — und hier sehen wir genau, wie viel.

Abbildung 1.Die Aufgabe: ein Träger über zwei Felder auf den Auflagern A, B und C — ohne äußere Last. Das Mittelauflager B setzt sich um 10 mm (siehe Gegeben). Auflagerkräfte und Biegelinie folgen nach dem Rechnen.
Gegeben
System
2 Felder × 5 m
Auflager
Fest · Rollen · Rollen
200 GPa
150 × 10⁶ mm⁴
30 000 kN·m²
Setzung
10 mm ↓als −10 eingegeben
Äußere Last
keine
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Schritt 1 — Das überzählige Auflager freisetzen

Ein Auflager zu viel für die Statik — nehmen Sie es weg und stellen Sie stattdessen eine geometrische Frage.

Der Träger ist einfach statisch unbestimmt — ein Auflager zu viel für die Statik allein. Das Verträglichkeitsverfahren macht genau dieses überzählige Auflager zum Hauptdarsteller: Setzen Sie das Mittelauflager B frei, und übrig bleibt ein Einfeldträger über 2L = 10 m, mit dem die Statik zurechtkommt.

Sehen Sie nun, was der freigesetzte Träger tut. Unbelastet bleibt er vollkommen gerade. Doch das wirkliche Auflager liegt nicht mehr auf dieser Geraden — es hat sich gesetzt und steht 10 mm unter der Sehne, und der wirkliche Träger muss durch diesen Punkt gehen. Die Frage, die unsere fehlende Gleichung ersetzt, ist also rein geometrisch: Welche abwärts gerichtete Kraft F in Feldmitte erzeugt genau diese Durchbiegung von 10 mm?

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Schritt 2 — Die Kraft, die die Setzung verlangt

Die Kraft finden, die das gesetzte Auflager aufnehmen muss.

Eine mittige Einzellast biegt einen Einfeldträger um durch; setzt man das gleich Δ:

Diese Kraft ist die Reaktion, mit der das gesetzte Auflager zieht. Das Gleichgewicht des ganzen Trägers verteilt sie anschließend auf die beiden Enden:

Achten Sie auf die Richtungen. Das Mittelauflager zieht nach unten: Durch das abgesunkene Auflager gezwungen, würde der Träger zurückfedern, wenn er könnte, und B muss ihn dort halten. In der Vorzeichenregel des Rechners, wo unten negativ ist, erscheint diese Reaktion als −14.4 kN — dieselbe Regel, mit der auch die Setzung eingegeben wird (10 mm nach unten → −10).

Abbildung 2.Die geweckte Querkraft — konstant ±7.2 kN in jedem Feld, das Kennzeichen eines Trägers, der nur Endauflagerkräfte trägt.
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Schritt 3 — Das Moment, das er in den Träger biegt

Keine Last, und trotzdem 36 kN·m am gesetzten Auflager.

Nehmen Sie die Momente vom linken Ende bis zum gesetzten Auflager — auf dieser Strecke wirkt nur :

(Feldmoment)
Abbildung 3.Das geweckte Biegemoment — ein positives Moment (Zug an der Unterseite) von 36 kN·m genau am gesetzten Auflager, erzeugt ganz ohne äußere Last. Wir folgen der US-Konvention (positives Moment oberhalb der Achse); der Trägerrechner hat eine Umklapp-Schaltfläche für die andere Regel.
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Schritt 4 — Das Bild, das die Verträglichkeitsbedingung zeichnet

Der Träger wird nach unten gezogen, bis er das Auflager erreicht.

Die Biegelinie macht die ganze Argumentation sichtbar: Der Träger biegt sich in B auf genau −10 mm herunter, trifft dort das gesetzte Auflager und kehrt an den beiden noch gehaltenen Enden auf null zurück. Diese eine geometrische Bedingung — „der Träger muss durch das abgesunkene Auflager gehen“ — hat sämtliche Kräfte oben erzeugt.

Abbildung 4.Durchbiegung — der Träger bis zum gesetzten Auflager heruntergezogen: genau −10 mm bei x = 5 m (unten ist negativ, die Regel des Rechners).
Abbildung 5.Der gelöste Träger — die Aufgabenskizze mit der Antwort darauf: die geweckten Auflagerkräfte in Violett (7.2 ↑ in A und C, 14.4 ↓ in B) und die gestrichelte verformte Schwerachse, die zum gesetzten Auflager B absinkt.

Der Nachweis

Die Handrechnung gegen den Solver.

Geprüft — Handrechnung gegen den Solver, bis auf Rundung
GrößeVon HandStructureCalcs
Gewecktes Moment in B36 kN·m (3EIΔ/L²)36 kN·m @ 5 m
Endauflagerkräfte R_A, R_C7.2 kN ↑7.2 kN
Auflagerkraft R_B14.4 kN ↓−14.4 kN
Durchbiegung in B−10 mm−10 mm @ 5 m
Äußere Lastnullnull

Jeder Wert wurde von Hand mit dem klassischen Verfahren ermittelt und danach gegen den Solver dieser Website geprüft — dieselbe Engine, die die Schaltfläche Ausprobieren öffnet. Diese Übereinstimmung wird bei jedem Build automatisch neu geprüft.

Jetzt sind Sie dran

Öffnen Sie genau dieses Modell im Rechner — ändern Sie dann eine Last, ziehen Sie ein Auflager, und sehen Sie zu, wie sich jedes Diagramm in Echtzeit mitbewegt. Intuition gewinnt man am besten, indem man es kaputt macht und schaut, was passiert.

Zum Mitnehmen

Exportieren Sie dieses gelöste Beispiel als PDF oder laden Sie es als .screport herunter und öffnen Sie es im Berichtsgenerator — das Modell reist in der Datei mit, Sie können es also wiederherstellen, neu rechnen und Ihren eigenen Bericht daraus bauen.

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