Ein geschweißter biegesteifer Stoß im Durchlaufträger
Zwei Felder, zwei sehr verschiedene Profile — ein hohes 610UB125 und ein 410UB53.7 mit etwa einem Fünftel seines I —, die am Mittelauflager auf einem geschweißten biegesteifen Stoß zusammentreffen. Die voll tragfähige Naht hält den Träger durchlaufend, dieser Fall ist also echt statisch unbestimmt: Wir lesen den Anschluss, schreiben den Dreimomentensatz mit beiden Steifigkeiten darin und sehen zu, wie sich die I exakt herauskürzen. Die Momente kommen symmetrisch heraus, die Durchbiegungen nicht — und diese Kluft ist die ganze Lehre.
- Feld 1
- 610UB125A (Festlager, 0) → B (Rollenlager, 6 m); Ix = 988.3 × 10⁶ mm⁴
- Feld 2
- 410UB53.7B → C (Rollenlager, 12 m); Ix = 188.4 × 10⁶ mm⁴
- Anschluss in B
- Geschweißter biegesteifer Stoßvoll tragfähige Stumpfnaht — volle Durchlaufwirkung
- 15 kN/mGleichlast über die vollen 12 m
- 200 GPa
- Auflager
- Fest · Rollen · Rollenbei 0, 6 und 12 m
Schritt 1 — Lesen Sie den Stoß, bevor Sie die Zahlen anfassen
Die Zeichnung nennt Ihnen das Tragmodell: Eine voll tragfähige Naht überträgt Moment, der Träger bleibt also einer.
Betrachten Sie den Anschluss über dem Mittelauflager B. Der Querschnitt springt ab — ein hohes 610UB125 kommt von links, ein niedrigeres 410UB53.7 geht nach rechts weiter — und über die Stoßfuge zeigt die Zeichnung genau eine saubere, kräftige Linie. Diese Linie ist die Baustellensprache für einen geschweißten biegesteifen Stoß: eine voll tragfähige Stumpfnaht, die Flansch an Flansch und Steg an Steg verbindet. Kein Blech, keine Schrauben, kein Ausklinken — die beiden Profile sind zu einem Stück Stahl verschmolzen.
Vergleichen Sie das mit der Fahnenplatte aus dem Gerber-Beispiel: Dort bedeuteten unverbundene Flansche keinen Momentenweg, und die Statik allein reichte aus. Hier sind die Flansche verbunden, das Biegemoment läuft also mit voller Tragfähigkeit über den Stoß. Das Tragmodell ist ein einziger durchlaufender Träger über drei Auflager — statisch unbestimmt, ein überzähliger Freiwert — und zum Lösen brauchen wir mehr als die Statik.
Schritt 2 — Dreimomentensatz mit zwei Steifigkeiten
Clapeyron mit ungleichem I — und eine Kürzung, die man sich merken sollte.
Ein überzähliger Freiwert verlangt eine Verträglichkeitsgleichung, und bei Durchlaufträgern ist das der klassische Dreimomentensatz von Clapeyron. In seiner allgemeinen Form steht die Steifigkeit jedes Feldes ausdrücklich darin — jeder Term trägt sein eigenes I. Für unsere beiden Felder (Enden einfach gelagert, also , mit Gleichlast w auf beiden):
Setzen Sie nun ein, was dieser Träger wirklich ist: = 6 m und dieselbe w in beiden Feldern, aber — genau darum geht es beim Stoß. Die Gleichung wird zu
Sehen Sie sich beide Seiten an: Der Steifigkeitsfaktor steht links und rechts — er kürzt sich also exakt heraus, wie groß die beiden Werte auch sind:
Das ist die Lehre dieser Seite in einer Zeile: Bei gleichen Feldern unter gleicher Last kürzen sich die I heraus, und der Steifigkeitssprung verschiebt die Momente überhaupt nicht. Wir haben weder 988.3 noch 188.4 verwendet — das Ergebnis ist dasselbe wie bei einem prismatischen Träger.
Schritt 3 — Die Auflagerkräfte
Mit bekanntem M_B ist jedes Feld ein Freikörper, und die Statik erledigt den Rest.
Schneiden Sie den Träger in B und nehmen Sie Feld A–B als Freikörper: ein 6 m langer Einfeldträger unter seiner Gleichlast plus dem bekannten Stützmoment am Ende B. Momente um B:
Feld B–C trägt dieselbe Last und dasselbe Endmoment, nach demselben Freikörper also kN. Das Mittelauflager nimmt den Rest auf:
Globale Probe: 2 × 33.75 + 112.5 = 180 kN = 15 × 12 ✓. Alle Auflagerkräfte sind symmetrisch — ein erster Hinweis darauf, dass die Momente nichts davon wissen, dass ein Feld fünfmal steifer ist als das andere.
Schritt 4 — Die Diagramme
Symmetrische Momente an einem unsymmetrischen Träger.
Verfolgen Sie die Querkraft von links: Sie beginnt bei +33.75, die Gleichlast baut sie ab, über B springt sie um die volle Auflagerkraft von 112.5 kN und spielt dann das Spiegelbild bis C. Sie geht dort durch null, wo das Feldmoment seinen Größtwert hat:
Die Momentenlinie geht über B auf −67.5 kN·m und steigt zu zwei gleich großen Feldmomenten von 37.97 kN·m — bei 2.25 m im hohen Feld und spiegelbildlich bei 9.75 m im niedrigen. Vollkommen symmetrische Momente an einem alles andere als symmetrischen Träger.
Schritt 5 — Wo sich der Steifigkeitssprung zeigt
Gleiche Momente, etwa ein Fünftel des I — die Biegelinie sagt die Wahrheit.
Ändert der Stoß also nichts? Sehen Sie sich die Biegelinie an. Die Krümmung ist : Beide Felder tragen dieselben Momente, aber das 410UB53.7 hat ein I, das etwa fünfmal kleiner ist als das des 610UB125 — an jeder entsprechenden Stelle krümmt es sich also rund fünfmal so stark. Das hohe Feld bewegt sich kaum; das niedrige hängt unter genau denselben Biegemomenten sichtbar durch.
Und beachten Sie, was in B nicht passiert: kein Knick. Der geschweißte Stoß führt die Neigung stetig über das Auflager — genau das Gegenteil der Gerber-Seite, wo sich das Fahnenplattengelenk mit einem Neigungssprung meldete. Die Momente sind symmetrisch, die Durchbiegungen nicht. Diese Unsymmetrie ist der Steifigkeitssprung, der sich endlich an der einzigen Stelle zeigt, an der er es kann.
Der Nachweis
Vier Handwerte gegen den Solver.
| Größe | Von Hand | StructureCalcs | |
|---|---|---|---|
| Auflagerkräfte R_A = R_C | 33.75 kN (3wL/8) | 33.75 kN | |
| Auflagerkraft R_B | 112.5 kN (10wL/8) | 112.5 kN | |
| Stützmoment M_B | −67.5 kN·m (wL²/8 — die I kürzen sich) | −67.5 kN·m bei 6 m | |
| Größtes Feldmoment | 37.97 kN·m bei 2.25 m (9wL²/128) | 37.97 kN·m bei 2.25 m |
Jeder Wert wurde von Hand mit dem klassischen Verfahren ermittelt und danach gegen den Solver dieser Website geprüft — dieselbe Engine, die die Schaltfläche Ausprobieren öffnet. Diese Übereinstimmung wird bei jedem Build automatisch neu geprüft.
Jetzt sind Sie dran
Öffnen Sie genau dieses Modell im Rechner — ändern Sie dann eine Last, ziehen Sie ein Auflager, und sehen Sie zu, wie sich jedes Diagramm in Echtzeit mitbewegt. Intuition gewinnt man am besten, indem man es kaputt macht und schaut, was passiert.
Zum Mitnehmen
Exportieren Sie dieses gelöste Beispiel als PDF oder laden Sie es als .screport herunter und öffnen Sie es im Berichtsgenerator — das Modell reist in der Datei mit, Sie können es also wiederherstellen, neu rechnen und Ihren eigenen Bericht daraus bauen.